Projektentwicklung und -finanzierung.
Die Projektentwicklung von solarthermischen Kraftwerken ist seit Gründung der Gesellschaft 1998 Kerngeschäft. Die Projektierung solarthermischer Kraftwerke erfordert ein hohes Maß an technischem, geografischem und organisatorischem Know-how sowie ausgeprägte Landeskenntnis. Zu den Aufgaben gehören die Qualifizierung möglicher Kraftwerksstandorte, die Landbeschaffung und das Durchlaufen sämtlicher Genehmigungsprozesse.
Um einen potenziellen Standort sachgemäß bewerten zu können, führt Solar Millennium im Rahmen einer Machbarkeitsstudie vor Ort meteorologische Messungen mit Hilfe einer eigens entwickelten, autarken Meteostation durch. Hierzu werden unter anderem die Daten der Direktnormalstrahlung über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr erfasst und mit langjährigen Satellitendaten abgeglichen. Weitere wichtige Faktoren für die Standortauswahl sind die Bodenbeschaffenheit, die Möglichkeit der Netzanbindung und die Wasserverfügbarkeit. Parabolrinnen-Kraftwerke benötigen eine möglichst ebene Fläche für die Ausrichtung und Verrohrung der ausgedehnten Solarfelder und einen Zugang zu Wasser für die Reinigung der Spiegel und auch für die Kühlung innerhalb des Dampfkreislaufs. An extrem wasserarmen Standorten kann statt der sogenannten Nasskühlung auch eine luftbasierte Trockenkühlung eingesetzt und so der Wasserbedarf deutlich reduziert werden.
Abhängig vom jeweiligen Standort kann die Landsicherung einen langen Zeitraum in Anspruch nehmen, je nachdem wie viele Eigentümer involviert sind. Deshalb ist es notwendig, mit der Sicherung geeigneter Landflächen bereits lange vor Abschluss der Finanzierungsverträge für den Bau eines Kraftwerks zu beginnen. Bis zur Realisierung eines Kraftwerksprojekts müssen eine Vielzahl weiterer Projektschritte durchlaufen werden, bis am Ende alle Genehmigungen und Rechte für den Bau und Betrieb vorliegen und die Vergütung des produzierten Stroms vertraglich gesichert ist.
Für jedes Projekt wird eine eigene Projektgesellschaft gegründet. Im Laufe des Projektfortschritts können Anteile an diesen Projektgesellschaften sukzessive an interessierte Investoren veräußert werden. Die erfolgreiche Veräußerung von Kraftwerksbeteiligungen, d.h. von Anteilen an den Projektgesellschaften, ist wichtiger Bestandteil der positiven Umsatz- und Ergebnisentwicklung. Beim Einstieg eines Investors in eine Projektgesellschaft wird zumeist auch die Projektentwicklungsgebühr fällig und damit das anfangs allein von Solar Millennium getragene Projektentwicklungsrisiko entsprechend der Beteiligungsquote mit dem Investor geteilt. Dieser Zusammenhang begründet die enge Verbindung zwischen den Bereichen Projektentwicklung und Projektfinanzierung.
Die Projektfinanzierung gewinnt vor dem Hintergrund der zunehmenden Kraftwerksgrößen, insbesondere in den USA, und den dadurch größeren Investitionsvolumina an Bedeutung. So bedürfen die komplexeren Finanzierungsstrukturen einer immer größeren Kompetenz. Solar Millennium hat seine Erfahrung auf diesem Gebiet im Laufe der letzten Jahre immer weiter ausgebaut und kann heute auf unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten zurückgreifen. In der Regel beinhalten diese Möglichkeiten die Einbeziehung eines Partners bei der Finanzierung und Realisierung der Solarkraftwerke durch Anteilsverkäufe bereits während der Entwicklungs- und Bauphase. Zur zeitnahen Realisierung eines Projekts beginnt die Planung der Projektfinanzierung bereits parallel zur Projektentwicklung.
Eine Möglichkeit der Projektfinanzierung ist die Fremdkapitalfinanzierung, bei der Banken Kredite für den Bau des Solarkraftwerks zur Verfügung stellen. Der Projektentwickler sowie potenzielle Projektpartner müssen in diesem Fall für den Eigenkapitalanteil aufkommen. Beispiele für diese Art der Projektfinanzierung sind die ersten Parabolrinnen-Kraftwerke Europas, Andasol 1 und 2, in Südspanien.
Solar Millennium hat sich eine zweite Finanzierungsmöglichkeit eröffnet, die reine Eigenkapital- oder Equity-Finanzierung. Diese Finanzierungsalternative ist zunächst bankenunabhängig. Investoren übernehmen Anteile an der Projektgesellschaft auf die eigene Bilanz. Die Investitionssumme für das Solarkraftwerk wird in diesem Fall also direkt aus Eigenmitteln der Investoren erbracht. Sie kann gegebenenfalls in einer späteren Phase refinanziert werden. Typischerweise handelt es sich bei diesen Investoren um Energieversorger oder energieintensive Großunternehmen, die auch während der Betriebsphase der Kraftwerke beteiligt bleiben wollen. Aber auch andere langfristig orientierte Investoren, wie Versicherungen, Pensions- und Infrastrukturfonds, zeigen diesbezüglich großes Interesse. Ein Beispiel für eine vollständige Equity-Finanzierung ist das von der Solar Millennium Gruppe entwickelte südspanische Solarkraftwerk Andasol 3.
Eine dritte Alternative ist ebenfalls bankenunabhängig und reagiert auf die Nachfrage vieler Privatanleger und mittelgroßer Investoren nach entsprechenden Finanzprodukten. Bei dieser Lösung werden Teile des Kapitalbedarfs der Projektgesellschaft über einen geschlossenen Fonds bereitgestellt. Ein Beispiel hierfür ist die Beteiligung am vierten spanischen Solarkraftwerksprojekt Ibersol. Das aus dieser Beteiligung fließende Genussrecht wurde an eine Fondsgesellschaft veräußert. Mit dem Vertrieb dieser Fondsanteile wurde die Solar Millennium Invest AG beauftragt. Dieses Unternehmen wurde von Solar Millennium im März 2010 als eigenständige Vertriebsgesellschaft für Green Investment Produkte gegründet, um der wachsenden Bedeutung und dem damit einhergehenden Anspruch an Professionalität und Transparenz im Zuge des immer umfangreicheren Finanzierungsbedarfs gerecht zu werden.